Kleiner Reisebericht März/April 2004


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Abgeschickt von Boris am 13 April, 2004 um 22:37:57:

Hallo, ich komme gerade zurück aus Korsika. Ich war zum ersten mal dort, und schreibe, was mir dazu einfällt - vielleicht kann jemand die Info brauchen.

Anreise nach Korsika: Angenommen, Ihr kommt irgendwie nach Konstanz am Bodensee. Ob per Daumen oder per Bahn ist dabei egal, Bahnpreise nach Konstanz müßtet Ihr bei folgender Rechnung dazuzählen.
In Konstanz gibt es den BUND, der genialerweise Tagestickets ("Flexicard") für die ganze Schweiz verkauft für 30 Euro. Das heißt, Ihr kommt für 30 Euro von Konstanz nach Chiasso, was regulär über 100 Euro kosten würde.
Diese Tickets gibt es z.B. beim BUND Konstanz, Tel. 07531-15164. Die Tickets sind nur für einen bestimmten Tag gültig, also rechtzeitig anrufen, weil begrenzte Anzahl!
Von Chiasso nach Savona kostet die Bahn ca. 13 Euro, die Fähre Savona-Bastia 33.-. Wer mit dem "Cisalpino"-Zug (schnell) über Zürich und Milano fahren möchte muß noch 12 Euro dazuzahlen. Also alles in allem: Konstanz-Bastia 88 Euro. Reservierung oder Vorher-Buchen für die Fähre ist übrigens total unnötig - wer ohne Auto reist, hat immer einen Platz auf der Fähre. Also Tickets immer erst an der Fähre kaufen; der kostenslose Shuttle-Bus wartet in Savona am Bahnhof und bei der Rückfahrt an der Fähre.

- Die besten Hotels in Bastia: "Hotel Central", Rue Miot, Doppelzimmer für 45€ (im April), sonst "Chez Jean", Rue Cesar Campinchi, 35€, aber lange nicht so schön. Billiger kann man in Bastia anscheinend nicht übernachten ohne Zelt.

- Trampen funktioniert nach meiner Erfahrung auf Korsika sehr gut. Etwas Geduld, und Du kommst überall hin. Für die Fahrt Bastia - Ghisonaccia (Anfang des Mare-a-Mare Centrale) habe ich etwa 4 Stunden bzw. 6 Autos benötigt.)

- Die erste Etappe des Centrale nach Serra ist so kurz (4 Std), daß man ruhig morgens in Bastia lostrampen kann, und abends in Serra ist.
In der ersten Hälfte ist der Weg übrigens nicht ganz klar: Die orangen Markierungen sind manchmal zimelich willkürlich verteilt. Biegt nach ca. 30 Minuten nicht nach rechts (zu einer Farm) ab, wie es offensichtlich die Markierung will, sondern bleibt auf dem asphaltierten Weg. Kurz darauf stoßt Ihr wieder auf den Fiumorbu-Fluß, den man besser nicht überquert (entgegen den alten Markierungen), sondern ca. 200 Meter am linken Ufer, am neuen Zaun vorbei, entlangläuft.

- Das war eigentlich schon fast die einzige Stelle, wo man sich beim überhaupt verlaufen kann. Trotzdem sind die IGN-Wanderkarten 1:25.000 immer gut. Man bekommt sie in Deutschland selten, auf Korsika dagegen in den Städten leicht.
Die letzten 1 1/2 Stunden gehen allerdings ziemlich in die Beine.

- Gites: Wir waren die ersten, die in diesem Jahr auf dem Centrale gewandert sind. Wir haben deshalb manche Gites-Wirte aus dem Winterschlaf geklingelt, und alle waren sehr freundlich. Sie wollten oft wissen, wie die Wege in diesem Jahr sind. Die Wege sind gut, wuchernde Macchia ist geschnitten, Markierungen sind z.T. erneuert. Manche Gites waren noch gar nicht geöffnet, aber wir sind haben immer ein Bett gefunden (nach tel. Anmeldung), z.T. bei den Wirten privat, wenn sie keine Lust hatten, wegen uns die Heizung anzuschmeißen. Inzwischen müßten aber alle Gites offen sein, ab 1. April oder spätesten Ostern geht die Saison ja los.

- Hüttenschlafsack oder einfach ein Bettbezug zum Einwickeln ist auf jeden Fall sehr sinnvoll mitzunehmen. Es gibt oft jede Menge Decken, aber nichts für drumherum.

- Meistens kommt morgens ein Bäcker hupend durchs Dorf gefahren, der aus dem Auto Baguettes und sonstiges Backwerk verkauft. Sehr praktisch, das.

- Glaubt nicht den Zeitangaben in Reiseführern. Rechnet mindestens 50% der Zeit dazu. Die Tage sind im März/April sowieso kurz genug. Ich hatte den berühmten "Willi" und den "Lonely Planet" dabei, und beide schreiben manchmal völligen Unsinn. Auch den (seltenen) Holzpfeilen am Weg mit Zeitangaben ist keinesfalls zu trauen.

- A propos Reiseführer: Der "Willi" beschreibt alle Wege (Mare-A-Monti und Mare-a-Mare sowie GR 20), kommt aber leider leicht ins Schwafeln und hat an entscheidenden Stellen wenig zum Weg zu sagen. Der "Lonely Planet" beschreibt GR20 und Centrale ganz gut, die anderen Wege so gut wie gar nicht. Eigentlich könnte man beide vorher lesen und dann zu hause lassen, stattdessen lieber vernünftige Karten (s.o.) kaufen.

- Der GR 20 ist an einigen Stellen (nach Auskunft einiger Wagemutiger) z.Zt. absolut unpassierbar. Ich habe einige Frustrierte getroffen, die mehrere Tage in einer Refuge ausgeharrt haben, oder die hüfthoch im Schnee versunken sind. Scheint mir im April keine gute Idee zu sein.

- Selbst auf dem Centrale (Col de Laparo) und auf dem Mare-a-Mare Nord (Bocca a l'Arinella) sollte man mit Schnee rechnen.

- Das Wetter war natürlich ziemlich launisch: Du wachst z.B. bei wolkenlosem blauem Himmel auf und sitzt am späten Mittag im Gewitter. Nebel, Hagel, Regen, Hitze, alles war dabei.

- Wer früh genug von Guitera-les-Bains nach Col-St-Georges losgeht, wird vermutlich einer Hündin begegnen, die ihn bis zum Schluß begleitet. Das ist in Ordung, der Besitzer weiß bescheid.

- Keine Küche zum Selbstkochen gibt es in den Gites in Evisa und Corte.

- Der einzige "Supermarkt" in Evisa bleibt mittwochs zu.

- Die Gite in Tasso (zwischen Cozzano und Guitera)ist bis auf Weiteres geschlossen, weil M Tasso vor einigen Wochen gestorben ist, und Mme Tasso verständlicherweise keine Lust auf Gäste hat.

Grüße an alle, die bald nach Korsika wollen,
Boris

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